Schwanger nach Fehlgeburt – Gedanken, Gefühle und neue Herausforderungen

Schwanger nach Fehlgeburt – Gedanken, Gefühle und neue Herausforderungen

Februar 13, 2021 0 Von KatjaSchmid

Als ich diesen Artikel schreibe, ist es Anfang November: Etwa drei Wochen nach einem positiven Schwangerschaftstest liege ich mit einer Mega-Migräne, heftiger Übelkeit und dem Kopf voller Gedanken im Bett.
Ich bin nach meiner Fehlgeburt im Juli erneut schwanger. Und auch wenn ich mich freue, so kommen dennoch auch gemischte Gefühle auf. Ich bin vorsichtig und sage es den Kindern nicht sofort. Im Moment ist es noch ein Geheimnis. Mein Mann weiß es, natürlich, zwei Freundinnen, und seit gestern auch meine älteste Tochter. Und meine Hebamme.

Ich warte ab. Zu präsent ist noch das Erlebnis vom Sommer, als ich erfuhr, dass unser Baby keinen Herzschlag zeigt.

Aber diese latente Übelkeit und der heftige Migräne-Anfall machen mir echt zu schaffen. Ich bete dafür, dass es mir bald besser geht, aber irgendwie kommt ständig eine neue Welle des Unwohlseins nach oben.

Gedanken kommen auf. Was, wenn diesmal wieder etwas schief geht? Werde ich mein Baby wieder verlieren? Wenn nicht, wird es gesund sein? Es sind die Gedanken, die aus Ängsten geformt werden. Nicht das, was ich im Herzen fühle.

Ich bin in der achten Woche, rein rechnerisch. Somit sollte die Übelkeit so in vier Wochen vorbei sein. Das scheint im Moment aushaltbar, aber wenn ich daran denke, wie wenig ich in den letzten Tagen geschafft habe, weil ich einfach komplett flach lag und mich entweder übergeben musste oder mir schwindlig war und ich Mords-Kopfschmerzen hatte, wird mir etwas anders… War das jetzt wirklich so eine gute Idee? Naja, eigentlich war es keine Idee, wir haben dem Schicksal seinen Lauf gelassen, weder etwas bewußt dafür noch etwas bewußt dagegen getan. Wir hatten beide seit einer Weile das Gefühl, dass noch eine Seele zu uns kommen möchte. Und ich persönlich liebe das Mama-Sein, ich sehe jedes meiner Kinder als eine große Bereicherung an und bin dankbar für das, was sie mir lehren und an Gaben und Talenten mitbringen. Die Großfamilie war immer ein Herzens-Wunsch von mir.

Ich freue mich. Auf meinen Babybauch, auf die Geburt, auf diese erste zauberhafte Zeit mit einem Neugeborenen…auf das Stillen und Tragen, oder im Kinderwagen schieben. All das finde ich wunderschön, selbst das Wickeln und die Nächte. Es hat eine besondere Energie und ist ein ganz wundervoller Abschnitt im Leben. Ein kleines Wesen zu begleiten, auf seinem Lebensweg. Mit allen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die das naturgemäß auch mit sich bringt… Mama zu sein erfüllt mich. Nicht komplett – ich brauche auch noch eigene Interessen und Ziele im Leben. Dennoch liebe ich es, meine Kinder beim Aufwachsen zu begleiten, ihnen zu zu sehen, mit ihnen Zeit zu verbringen und Dinge zu unternehmen. Sie bereichern mein Leben.

In die Freude mischen sich Erinnerungen…an die unsanfte Frauenärztin beim letzten Mal, die mir fast wortlos den Überweisungsschein für die Klinik in die Hand drückte, auf dem die Diagnose „Missed Abortion“ vermerkt war. Das fehlende Einfühlungsvermögen, die fehlende Aufklärung, was das nun genau bedeutet oder wie es weiter gehen kann…

Die Bilder der erlebten Fehlgeburt kommen mir wieder in den Sinn und ich bete, dass diesmal alles in Ordnung ist und ich nicht noch einmal das Gleiche erleben werde.

Es ist eine Herausforderung erstmal niemandem etwas zu sagen. Andererseits ist es auch ein schönes Gefühl, ein kleines Geheimnis zu haben. Ein paar Zweifel kommen auf. Der „Lockdown light“ hat begonnen, mit einigen Einschränkungen, beruflich und finanziell ist noch größtenteils unklar, wie es langfristig weitergehen wird. Doch ich weiß, dass zu allen Zeiten in der Menschheitsgeschichte Kinder geboren wurden – in Kriegszeiten, Notzeiten, in Hungergebieten, usw. Wir haben im Moment so ziemlich alles, was wir brauchen. Sind erstmal gut versorgt und mit vier bereits vorhandenen Kindern gibt es auch einiges an Kleidung und Spielsachen, die weitergegeben werden können – und vor allem viel Liebe. Es gibt tatsächlich wirklich objektiv gesehen nichts, worüber man sich ernsthafte Sorgen machen müßte. Auch beruflich/finanziell bin ich sicher, dass es wieder aufwärts gehen wird – auch wenn noch unklar ist, wie es mit der Selbständigkeit meines Mannes weitergehen wird. Sollte es notwendig werden, müssen wir uns umorientieren. Zudem möchte ich auch meine Coaching-Tätigkeit wieder aufnehmen und habe noch weitere Projekte in Planung, die ich gerne umsetzen möchte.

All diese Gedanken schwirren durch meinen Kopf und verstärken die Kopfschmerzen und die Übelkeit teilweise noch. Ich bete, hoffe, visualisiere. Und vertraue darauf, dass auch diese Zeit, in der ich mich gerade unwohl fühle, wieder vorbei gehen wird.

Fast Forward…es ist Anfang Februar. Inzwischen habe ich drei Arztbesuche bei einer neuen, ganz wundervollen Frauenärztin hinter mir. Dem Baby geht es gut, es wächst und gedeiht. Auch eine großartige Hebamme habe ich an meiner Seite, die uns während der Schwangerschaft und zur Geburt begleiten wird. Ich spüre mein Baby regelmäßig und freue mich riesig darauf. Ich weiß, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Meine Kinder freuen sich aufs Baby. Mein Mann freut sich.

Die anfänglichen Sorgen sind gewichen, auch wenn immer mal wieder so ein Gedanke hoch kommt…Dennoch, ich gehe immer mehr ins Vertrauen und kann Ängste mehr und mehr loslassen.

Demnächst werde ich dann hier auf dem Blog verschiedene Schwangerschafts-Themen „beleuchten“, denn ich merke immer wieder, wie wichtig es ist, dass Schwangere – aber auch werdende Väter! – umfassend informiert sind. Und irgendwann geht’s dann auch um das Thema der Geburt und der besonderen Zeit danach, das Wochenbett.

Alles Liebe,