Diagnose „Missed Abortion“: Die „kleine Geburt“ – Mein privater Erfahrungsbericht Teil 2

Diagnose „Missed Abortion“: Die „kleine Geburt“ – Mein privater Erfahrungsbericht Teil 2

August 7, 2020 0 Von KatjaSchmid

Ich gebe auch in diesem Artikel wieder einen sehr persönlichen Einblick in mein Leben, meine Gefühlswelt und meine Seele, denn ich werde vom Verlust meines 5. Kindes während der Schwangerschaft – und hier davon, wie die „kleine Geburt“ ablief und was ich dabei als erwähnenswert empfinde – berichten. Das fällt mir nicht unbedingt leicht, denn es geht dabei um sehr persönliche Empfindungen und Erfahrungen, die ich sonst vielleicht nur meinem Tagebuch in dieser Form anvertrauen würde. Dennoch teile ich es öffentlich – denn Fehlgeburten dürfen kein Tabu-Thema mehr sein! Ich habe es selbst als erschreckend empfunden, kaum echte, offene, authentische Erfahrungsberichte zu finden – und für jemanden in der gleichen Situation kann ein Erfahrungsbericht wahrlich Gold wert sein. Darum tue ich das. Für die Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wie die in der ich mich befand: Diagnose „Missed Abortion“ – und die sich bewußt gegen eine Ausschabung entschieden haben oder entscheiden wollen.

***Achtung! Dieses Thema kann für manche Frauen mit intensivsten Gefühlen und negativen Erinnerungen aufgrund eigener Erfahrungen verbunden sein! Wenn Du empfindlich auf dieses Thema und/oder genaue Nennung von Abläufen und Begleiterscheinungen bzw. von bildlichen Beschreibungen reagierst, oder es als unangenehm empfindest, wenn jemand über etwas so persönliches schreibt, lies bitte hier nicht weiter!***Außerdem: Ich bin weder Arzt, Hebamme, noch sonst irgendwie medizinisch ausgebildet oder beruflich tätig. Ich beschreibe hier MEINE Erfahrungen und erwähne auch, was ich für wichtig erachten würde – keinesfalls sind meine Ausführungen hier als medizinischer Rat zu verstehen! Solltest Du die Diagnose „Missed Abortion“ bekommen haben, besprich Dich bitte in jedem Fall mit Deinem Arzt und/oder Deiner Hebamme. In manchen Fällen ist eine Ausschabung allerdings medizinisch notwendig, lasse Dich in jedem Fall gut beraten und hole Dir gegebenenfalls eine zweite Meinung ein.***

Nachdem ich die Diagnose „Missed Abortion“ erhalten hatte, viel recherchiert und mich informiert hatte, begann für mich ein intensiver innerlicher Gefühls- und auch Lösungsprozess. Es fühlte sich einerseits sehr seltsam an, einen winzigen Embryo in sich zu tragen, der nicht mehr am Leben war und zu wissen, dass dieser Embryo irgendwann nach draußen kommen muß, aber man nicht vorher sagen kann, wann dies geschehen würde. Andererseits spürte ich, dass mit diesem Erlebnis auch andere, innere Frauenthemen, die mich lange in meinem Leben begleitet hatten, verbunden waren und es ganz wichtig für mich ist, mich diesem Prozess zu öffnen.

Irgendwas in mir wollte das Ganze gerne beschleunigen und anregen, denn so sicher ich mir über meine Entscheidung war, den natürlichen Weg gehen zu wollen, so unwohl fühlte ich mich irgendwie dennoch, denn ich spürte ja auch körperlich deutlich, dass sich da etwas in meiner Gebärmutter befand…und dieses Wissen mit dem Bewusstsein, dass der Embryo tot ist, fühlte sich nicht unbedingt angenehm an. Ich hab auch hin und wieder gezweifelt, ob das der richtige Weg ist. Einfach, weil mich die „Wartezeit“ zwischen Diagnose und kleiner Geburt auch an Grenzen gebracht hat und ich mich definitiv mit mir selbst, meinen Gefühlen und Gedanken usw. beschäftigen musste.

Um den körperlichen Loslaß-Prozeß anzuregen und zu beschleunigen, nahm ich täglich mehrmals bestimmte Globuli und zusätzlich im Wechsel hierzu wehenanregende Kräuter. Ich massierte meinen Unterleib mehrmals täglich mit einer selbst hergestellten Ölmischung aus verschiedenen ätherischen Ölen. Ich nahm außerdem auch hochdosiert Vitamin C ein. Allerdings hatte ich irgendwann das Gefühl, dass das nicht wirklich was bewirkt und habe alles ab dem Tag als eine leichte Schmierblutung einsetzte (vier Tage vor der kleinen Geburt) abgesetzt und die innere Entscheidung getroffen, meinem Körper zu vertrauen.

Ich betete weiterhin regelmäßig und machte ein paar Visualisierungen und Meditationen. Ich tauschte mich nur mit ein paar wenigen Menschen aus und ließ sie an meiner Trauer und meinem inneren Prozeß teilhaben. Ich verband mich immer wieder gedanklich und emotional mit der Seele des Babys, nahm direkt Kontakt auf und ließ mich von einer uns nahe stehenden Heilerin/Schamanin energetisch begleiten, denn ich spürte, dass mir das körperliche Loslassen unglaublich schwer fiel (im Gegensatz zu allem anderen fühlte ich durch diese energetische Unterstützung tatsächlich einen Unterschied und merkte einen positiven Einfluß auf meine eigenen inneren emotionalen und gedanklichen Prozesse).

Mein Kopf war erst ständig beschäftigt mit dem Gedanken, dass es jederzeit losgehen könnte mit der kleinen Geburt und interpretierte jede längere wehenartige Empfindung, jedes Ziehen als Zeichen für das baldige Einsetzen heftiger Blutungen. Doch mein Körper und meine Intuition fühlten es anders…ich „wusste“ instinktiv, dass meine Fehlgeburt am 17.07.2020 nach der Beerdigung von M. (der engen Freundin meiner Tochter, die eine Woche bevor wir die Diagnose „Missed Abortion“ erhalten hatte, nach schwerer Krankheit gestorben war – davon habe ich in diesem Artikel ein wenig berichtet) passieren würde. Das klingt vielleicht komisch, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass wir ein inneres Wissen haben, dem wir auch völlig vertrauen können.

Ich wusste intuitiv, dass meine Anwesenheit bei der Beisetzung essenziell sein würde, gleichzeitig redete ich mir ein, dass ich nicht teilnehmen könnte, weil die Fehlgeburt ja auch schon vorher losgehen könnte…und sagte sogar ab, da ein paar Tage zuvor eine Blutung eingesetzt hatte. Zunächst ganz schwach, wie zum Einsetzen meiner Periode, aber täglich etwas mehr werdend. Am 17. war die Blutung dann mittags schon auf normale Periodenstärke angestiegen. Durch meine Recherchen und Rücksprache mit meiner Hebamme wusste ich, dass dies ein gutes Zeichen dafür war, dass es bald losgehen würde.

Ich entschied spontan, auf nachdrücklichen Wunsch meiner Tochter, sie trotz der stärker werdenden Blutung zur Beisetzung ihrer Freundin zu begleiten. Ich empfand große Trauer, um M. – denn wir alle hatten sie sehr gern, sie war regelmäßig Gast bei uns zuhause gewesen und lag uns sehr am Herzen – aber natürlich auch um mein eigenes Kind, das ich nie im Arm halten werde und nun bald loslassen werden würde. Helena und ich kauften noch Rosen für die Beisetzung, wir hatten uns beide schön und farbig angezogen, so wie es in der Einladung zur Abschiedsfeier stand.

Zu Beginn der Beisetzung um 15 Uhr wurde das Lied „Das Leben ist schön“ von Sarah Connor gespielt, fast zeitgleich sah ich nach oben, spürte Tränen in mir aufsteigen und über meine Wangen fließen – und sah, dass ein herzförmiges, welkes Blatt von einem der Bäume ganz langsam zu Boden fiel. Dieser Moment hat mich zutiefst berührt und mir gleichzeitig das Gefühl gegeben, dass irgendwie doch alles gut ist. Irgendwie war es ein Zeichen für mich, ich nahm es als Zeichen von meinem Kind, ein Zeichen der Liebe. Trotzdem mußte ich während der gesamten Beisetzung viel weinen, einmal sogar richtig laut aufschluchzen…es war für mich innerlich auch zusätzlich ein Abschied von meinem eigenen Kind und ich fühlte mich dankbar dafür, dass ich zur Trauerfeier gegangen war.

So wie die gesamte Beisetzung gestaltet war, fühlte es sich eher wie eine Feier des Lebens an. Mit einer sehr bewegenden Rede der Klassenlehrerin, allen in hellen, freundlichen Farben gekleidet, toller Musikauswahl, sogar einem extra für M. geschriebenem Lied, was mich unglaublich berührt hat…die Sonne schien, die kleineren Kinder liefen völlig unbeschwert und frei herum und spielten auf der Urnenwiese miteinander… Als die Urne versenkt worden war, ging ein Blütenblätter-Regen nieder und die Freundinnen von M. machten unendlich viele Seifenblasen, es gab eine ganze Menge lachende und fröhliche Gesichter, und dennoch viele Tränen…alles in Allem empfand ich diese Trauerfeier als unglaublich tröstlich, heilend und liebevoll. Wir blieben lange…bis das Grab verschlossen wurde, auf Helenas Wunsch. Für sie war dies wohl wichtig, um innerlich abschließen zu können. Es fühlte sich auch für mich so richtig und gut an.

Als wir uns danach auf den Heimweg machten, sahen wir noch einen wunderschönen Schmetterling auf einem anderen Grab landen und ich fühlte mich sehr verbunden mit allem und sehr friedlich in diesem Moment. Es war wie ein inneres in Frieden gehen. Dennoch spürte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile sowohl stärkere Schmerzen als auch, dass die Blutung immer stärker wurde und hatte Sorge, ob meine dünne Binde das aushalten würde. Ich hatte auch große Schmerzen beim Gehen, versuchte sie zu veratmen und konnte mich nur langsam fortbewegen. Es war zu diesem Zeitpunkt etwa 17 Uhr. Wir gingen über diesen Friedhof zum Ausgang und auf Wunsch von Helena noch über den anderen Friedhof, auf dem ihr leiblicher Papa begraben ist, denn dieser liegt direkt gegenüber. Als wir auch sein Grab besucht hatten, spürte ich, dass es dringend an der Zeit war, nach Hause zu kommen und ich rief meinen Mann an, dass er uns abholen sollte, was er auch gleich tat – denn ich hätte keinen Schritt mehr gehen können, vor Schmerzen aber auch weil ich spürte, dass die Blutung stark wurde.

Ich spürte deutlich, dass es jetzt wirklich soweit war. Zum einen, weil ich „endlich“ echte, andauernde intensivste Empfindungen im Bereich von Gebärmutter und Muttermund wahrnahm, zum anderen, weil ich spürte, dass die Blutung noch stärker wurde und sich die Beisetzung wie ein Abschluß, ein Loslassen auf mehreren Ebenen anfühlt hatte. Das lange Stehen bzw. Gehen hatten wohl ihr Übriges dazu getan.

Zuhause angekommen eilte ich gebückt unter Schmerzen auf die Toilette, wo ein großer Schwall Blut abging, mit einigen Stückchen darin, ähnlich wie während meiner Periode. Ich fing einiges davon auf und bat meine große Tochter, mir die Badewanne einzulassen, denn ich hatte starke Schmerzen im Unterleib, die ich aber nicht mit Wehen vergleichen würde. Es tat eher am Muttermund weh oder irgendwie überall weh… Und warmes Wasser oder generell Wärme hatten mir bei Wehen immer sehr gut getan.

Wenn ich bei den Geburten meiner Kinder Wehen gehabt hatte, waren diese regelmäßig mit Pausen dazwischen und fühlten sich eher intensiv, eigentlich nicht unbedingt schmerzhaft an. Das was ich jetzt spürte, war unangenehm, auch intensiv, aber irgendwie überwältigend. Ich war einerseits innerlich bereit, andererseits fühlte ich mich irgendwie auch überrollt von dem, was da passierte.

In der Badewanne war ich dann etwa 30-40 Minuten. In dieser Zeit blutete ich weiterhin, es gingen auch weiter Schleimhautstückchen und größere Blutklümpchen ab. Ich schaute mir alles an, konnte jedoch keinen Embryo entdecken. Ich hatte aber auch vorher schon gelesen, dass in manchen Fällen der Embryo sich schon zurück entwickelt hatte und nicht mehr erkennbar war oder zusammen mit viel Blut abging und dadurch gar nicht sichtbar wurde. Ich hatte dahingehend gemischte Gefühle. Ich war mir nicht so sicher, ob ich den Embryo wirklich genau sehen wollte. Ich betete dafür, dass einfach alles so ablaufen würde, wie es gut für mich wäre. Andererseits hat man dann dennoch irgendwie das Bedürfnis dieses Kind doch einmal zu sehen oder in den Händen zu halten. Ich versuchte mich aber, von jeglicher Vorstellung zu befreien, denn ich wollte keine Erwartungen schüren, sondern mich ganz auf den Prozeß einlassen können.

Nach der Badewanne ging ich unter Schmerzen nach oben in unser Schlafzimmer, bereitete Handtücher und Einweg-Wickelunterlagen im Bett aus und legte/setzte mich dann direkt darauf. Da unglaublich viel Blut herauslief, wollte ich dieses, vor allem, da ich davon ausging, dass irgendwann auch der Embryo/Fruchthülle und dann die Plazenta abgehen würden, am besten einfach direkt auffangen. Von einer anderen Frau, die ebenfalls eine Fehlgeburt erlebt hatte, hatte ich den Tip bekommen, mich auf die Toilette zu setzen und eine Schüssel bereit zu halten. Aber ich fühlte mich überhaupt nicht danach, sondern wollte gern in meinem Bett sein und mich bei Bedarf hinlegen können. Also beließ ich es bei den Unterlagen.

Immer wieder kam schwallartig Blut, auch mit einigen Stückchen, jedoch nichts Größeres als ca. zwei Zentimeter. Ich ließ mir noch etwas zu Essen und Trinken bringen und verständigte meine Hebamme. Mein Mann kümmerte sich zwischenzeitlich um die Kinder und machte mit ihnen Abendessen, brachte sie in ihre Zimmer bzw. ins Bett (wo sie aber nicht blieben) und fuhr dann unsere Große zum abendlichen Beisammensein, das noch als Ergänzung zur öffentlichen Beisetzung als Abschiedsfeier stattfinden sollte, mit dem Versprechen, maximal 20 Minuten dort zu bleiben.

Währenddessen war ich permanent in Kontakt mit der Hebamme. Kurz nach 20 Uhr ging ich zur Toilette und spürte plötzlich, wie etwas Größeres aus mir heraus kam. Ich konnte gerade noch eine dicke Lage Toilettenpapier unterlegen, schon hatte ich etwas aufgefangen, was für mich so aussah, wie Fruchthülle mit Embryo drinnen und Plazenta dran. Alles war voller Blut…genau konnte ich es nicht sagen, doch es war so groß, dass klar war, dass das jetzt „irgendwas“ war. Die Größe war etwa handtellergroß. Ich tat das Ganze in eine bereitgestellte Schüssel und verständigte meinen Mann, sowie die Hebamme, die meinte, dass es wahrscheinlich die Plazenta und geronnenes Blut war. Mein Mann machte sich dann bald auf den Weg, die anderen Kinder, die noch nicht schliefen, schauten es sich auch – teilweise ganz neugierig – kurz an und meine 7-jährige Tochter meinte, dass das das Baby sei. Sie fanden es eklig. Verständlich. Und dennoch war es irgendwie auch ganz natürlich. Wir hatten zuvor schon über alles offen gesprochen innerhalb unserer Familie und so schien auch das, was da herausgekommen war, etwas ganz Natürliches für meine Kinder zu sein, wenn es auch etwas eklig aussah.

Ich spürte deutlich, dass nun die kleine Geburt beendet war.

Die Hebamme meinte ebenfalls, dass wir es nun geschafft haben und ich nun erstmal noch wie beim Wochenfluss nach einer „richtigen“ Geburt eine Weile bluten werde. Wir schrieben noch ein wenig hin und her. Ich fühlte mich recht erschöpft und auch emotional aufgewühlt, weinte und gab meinem toten Baby in Gedanken ihren Namen: Astara Luna. Ich schaute mir das, was in der Schüssel lag, an, ohne genau zu erkennen oder zu wissen, ob das nun Fruchthülle mit Embryo drin oder Plazenta war. Eigentlich war es zu groß für die Fruchthülle, dachte ich mir. Dennoch stellte ich mir einfach vor – auch wenn ich keinen Embryo gesehen hatte – dass dies nun die Überreste meiner vorzeitig beendeten Schwangerschaft waren, und das fühlte sich dann auch in Ordnung so an.
Als mein Mann dann da war, kuschelten wir uns zusammen und er tröstete mich und nahm für sich noch Abschied von unserem Kind. Nach einem aufregenden Tag gingen wir dann alle schlafen bzw. später redete ich noch ein wenig mit meiner großen Tochter über das Leben, M., unser Baby.

Die Tage danach brauchte ich, um alles zu verarbeiten. Ich nahm mir Zeit, schrieb mit Freundinnen, ruhte mich soviel es ging aus. Ich schrieb ein wenig Tagebuch, ließ mich von meinen Liebsten trösten und trauerte. Das war für mich absolut notwendig. Ich blieb zuhause und ruhte viel, und kuschelte viel mit den Kindern. Keine Verpflichtungen, keine Aktivitäten. Wir schauten in den Tagen nach der „kleinen Geburt“ mehr als sonst an und waren fast nur drinnen. Die paar Momente, in denen wir draußen waren und auf andere Menschen trafen, fühlten sich für mich surreal und seltsam an, auch wenn mir wahrscheinlich niemand irgendetwas anmerkte.

Mit allem Äußeren durchlief ich während dessen auch einen inneren Prozess, der intensiv war…


Zehn Tage nach der Fehlgeburt fühlt sich das Ganze sehr diffus an…so als wäre da gar nichts gewesen. Es gibt kein Ultraschallbild, nur einen positiven Schwangerschaftstest, einen Überweisungsschein für die Klinik wegen „Missed Abortion“ und sonst…nicht viel. Das ist ein ganz seltsames Gefühl in der Magengegend. Aber das Bild meiner winzigen Tochter (auch wenn ich nicht 100prozentig weiß, ob es tatsächlich ein Mädchen geworden wäre, hat es sich immer so angefühlt) auf dem Ultraschall hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Das werde ich für immer in mir behalten, auch wenn sonst nichts von Dir geblieben ist, kleine Astara…

Astara bedeutet übrigens „von den Sternen“ oder einfach „Stern“ – das fühlte sich für mich sehr passend für mein Sternenkind an, gerade habe ich außerdem zufällig gesehen, dass es ein Engelorakel gibt mit der Engelkarte Astara…deren Bedeutung passt so unglaublich gut zu dem Prozess, den ich mit dieser Schwangerschaft und Fehlgeburt durchlaufen habe, dass ich eine Gänsehaut kriege…ich sehe diese Engelkarte heute (07.08.2020) das erste Mal (hier verlinkt)! Der zweite Name Luna steht für den Mond, da ich mich in den letzten zwei Jahren sehr intensiv mit den Mondphasen und dem Einfluss dessen auf unseren weiblichen Zyklus beschäftigt habe. Das wollte ich gerne im Namen würdigen, da es auch hier wieder eine besondere Verbindung gibt.

Ich fühlte mich relativ schnell wieder recht gut, auch wenn es mir einige Tage nicht so besonders ging und ich mich schwach fühlte. Mein Körper hat sich aber innerhalb kurzer Zeit wieder von „schwanger“ auf „nicht schwanger“ zurück entwickelt – was normal ist, dennoch ist bei einigen Frauen das HCG-Hormon noch eine ganze Weile lang nachweisbar und sie fühlen sich auch noch schwanger. Ich habe es für mich nicht testen lassen, warum auch. Ich empfand das nicht als wichtig. Ich konnte jedoch direkt spüren, dass sich mein Körper wieder auf „nicht schwanger“ einstellt und verlor auch etwas von dem bereits durch die Schwangerschaft zugelegten Gewicht (was ich anhand von Kleidung feststellte).

Ich muss sagen, dass ich im Moment eigentlich kaum noch richtige Trauer empfinde, wahrscheinlich aber auch, weil ich dieses Erlebnis von einem ganzheitlichen und spirituellen Blickwinkel betrachte. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für diese kleine Seele, die mir etwas ermöglicht hat, was ich anders nicht hätte erfahren und umsetzen können. Ich fühle mich sehr im Frieden. Auch mein Körper fühlt sich sehr gut an, die Blutung war nach ziemlich genau 15 Tagen vollständig vorbei und mein Körper fühlte sich nahezu so an, wie vorher.

Es ist dennoch ein komisches Gefühl. Ich war schwanger und bin es nicht mehr. Ich habe eine Geburt erlebt und halte doch kein Baby im Arm. Die meisten Menschen wissen nicht einmal etwas davon. Das ist ein echt seltsames Gefühl und ich kann nun auch nachvollziehen, warum so viele Frauen nicht darüber sprechen. Wie auch, mit wem auch… Da fehlen einem auch irgendwie die Worte. :/

Was ich noch erwähnen möchte, da es sich für mich wichtig anfühlt, besonders eben für Frauen, die sich gerade in der Situation befinden:

Die praktischen Infos zur Missed Abortion – so wie ich es erfahren habe:

  • Globuli, wehenanregende Mittel, Tees etc hatten bei mir keinen spürbaren Effekt
  • die Fehlgeburt passierte kurz vor Neumond, wo auch – wäre ich nicht schwanger gewesen – meine Periode eingesetzt hätte und knapp zweieinhalb Wochen nach der Diagnose „Missed Abortion“
  • die Angst, es könnte jederzeit einfach losgehen oder unvermittelt anfangen zu bluten, war in meinem Fall unbegründet und ich hätte mich im Vorfeld nicht so zurückziehen müssen, wie ich es getan habe (wobei es für mich in dieser Zeit echt schwierig war, schwangere Frauen oder Frauen mit kleinen Babies auf dem Spielplatz zu sehen)
  • es macht sehr viel Sinn, sich gut vorzubereiten, wenn man mit Diagnose „Missed Abortion“ eine kleine Geburt zu Hause abwarten möchte. Ich hatte mir zur Sicherheit einen Pack Einmal-Wickelunterlagen besorgt, Binden und Slipeinlagen für danach, Eisensaft, Traubenzucker, Hirtentäscheltee und -Tinktur, sowie eine Schüssel bereit gestellt. Ich habe mich gut informiert, wie das Ganze ablaufen und aussehen kann. Bilder die man online findet, können traumatisierend wirken, wenn man empfindlich dafür ist. Ich habe sie mir angeschaut, weil ich wissen wollte, was auf mich zukommen würde.
  • die Fehlgeburt kündigte sich durch eine leichte Schmierblutung vier Tage vorher an, dann wurde sie etwas stärker (so leichte Periodenstärke etwa), bis sie dann am Tag der kleinen Geburt normale Periodenstärke erreicht hatte
  • ich habe richtig viel Blut verloren, schätzungsweise zwischen 500 ml und einem Liter über ca. 3-4 Tage verteilt. Das ist verdammt viel und kann gefährlich werden. Bleibe auf KEINEN FALL allein, wenn Du beginnst, stark zu bluten (so wie am stärksten Tag Deiner Periode). Leg Dich unbedingt hin und wenn Du Dich ungut fühlst, lasse Dich definitiv in die Klinik bringen. Bleibe auch nicht mit einem/mehreren kleinen Kindern allein, wenn Du stark blutest und die Fehlgeburt schon im Gang ist. Auch kann es nach der Fehlgeburt noch mal stärker bluten und noch größere Stücke abgehen, das war bei mir nach vier Tagen der Fall und ich musste mich zwei Tage deutlich schonen und ausruhen, da ich echt schwach auf den Beinen war. Es macht Sinn, in dieser Zeit Unterstützung zu haben. Ich persönlich fühle mich sehr sicher in meinem Körper und kann gut einschätzen, was ich brauche. Das ist aber nicht bei jedem Menschen so und nicht jeder Mensch kann gut einschätzen, ab wann es wirklich gefährlich wird.
  • Bitte lass Dich definitiv krank schreiben, wenn Du die Diagnose „Missed Abortion“ bekommen hast. Und auch danach!!! Ich blutete einige Tage nach der kleinen Geburt so stark bzw. habe so viel Blut verloren, dass mir schwindlig wurde und ich die meiste Zeit lag. Kinderbetreuung und/oder Arbeiten gehen wäre für mich alleine nicht machbar gewesen in diesen Tagen.
  • Ernähre Dich gut! Hühnerbrühe, Eisensaft bzw. eisenreiche Lebensmittel, generell alles was stärkt und von innen kräftigt ist gut. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken.
  • Massiere Deinen Bauch, besonders im Bereich der Gebärmutter. Mir tat das unglaublich gut…und so konnte ich meinem Bauch auch einfach durch Berührung danken
  • Bleib in Kontakt mit Deiner Hebamme. Und zögere nicht, sie auch dann zu kontaktieren, wenn Du Dich mit irgendwas unsicher fühlst oder es Dir plötzlich schlechter geht.
  • Kontrolliere Deinen Blutdruck, wenn möglich, regelmäßig.
  • Bitte mach‘ Dir bewusst, dass eine Fehlgeburt Deinen Körper und Deine Seele fordert. Halte mindestens eine Woche Ruhe ein danach. Meiner Erfahrung nach braucht der Körper das und die Seele sowieso.
  • Wichtig: Männer trauern oft anders als Frauen bzw. verarbeiten so ein Erlebnis ganz anders. Wundere Dich nicht, wenn Dein Partner statt Dich permanent zu trösten versucht, den Alltag um Dich herum aufrecht zu erhalten. Wenn er emotional vielleicht gar nicht betroffen scheint, aber alles tut, damit es DIR besser geht oder Du entlastet bist. Mein Mann ist so einer. Er ist eben auch sehr männlich und auf Versorgung und Tun ausgerichtet. Natürlich hat er trotzdem meine Hand gehalten und mit mir gekuschelt. Aber er hat sich auch vermehrt um alles Praktische gekümmert, die Kinder versorgt, in Schule und Kindergarten gefahren und sie von dort abgeholt, und sie ins Bett gebracht, damit ich mich ausruhen und/oder trauern konnte. Er hat in der Zeit eigentlich den ganzen Haushalt übernommen (obwohl er eh schon jemand ist, er immer mit anpackt). Ich bin ihm jetzt sehr dankbar dafür. Auch wenn ich mich manchmal gefragt habe, ob ihm dieser Verlust gar nichts ausmacht. Und wahrscheinlich ist die ehrliche Antwort hierauf, dass es ihn tatsächlich nicht so extrem emotional aufgewühlt hat wie mich und für ihn auch nicht so ein intensiver innerer Prozeß mit dieser Erfahrung verbunden war. Bei uns war es so, dass wir keine weitere Schwangerschaft geplant hatten (auch wenn wir beide eine zeitlang das Gefühl hatten, dass da noch eine Seele zu uns kommen möchte bzw. es sich immer noch so anfühlt…), wir hatten gerade eine echt schwierige Zeit in unserer Partnerschaft und auch generell mit den ganzen Corona-Maßnahmen, und er hatte das kleine Wesen ja auch nicht in seinem Bauch. Er hat unser Baby auch nicht auf dem Ultraschall-Bildschirm gesehen, was ebenfalls mit Sicherheit etwas ausmacht.
  • Bei mir war der „Wochenfluss“ nach etwa 15 Tagen vollständig vorbei. Dann fühlte sich mein Körper wie immer an.
  • Ich habe eine Art Milcheinschuss wahrgenommen nach der kleinen Geburt. Mir hat Pfefferminzöl dabei sehr gut geholfen und enge BHs tragen. Nach wenigen Tagen waren die Empfindlichkeit der Brustwarzen und das „volle“ Gefühl in den Brüsten vorbei.
  • Das erste Mal Sex nach der Fehlgeburt hat sich für mich gut und nicht unangenehm angefühlt, wobei ich aber ein paar Mal doch Schmerzen am Muttermund gespürt habe.

Es mag seltsam klingen, wenn man äußert, dass man für eine Erfahrung dankbar ist und sie als bereichernd empfindet. Nicht jeder Mensch kann das bei einem Erlebnis wie einer Fehlgeburt nachvollziehen – was ich aber in diesem Zusammenhang als ganz wichtig empfinde: Ich habe sehr sehr viel und sehr intensiv getrauert. Ich wollte dieses Baby. Ich habe mich sehr darauf gefreut. Und dennoch konnte ich annehmen, dass es jetzt nicht sein soll. Dass jetzt ganz andere Dinge für mich und meinen Weg anstehen, die ohne diese Verlust-Erfahrung vielleicht gar nicht möglich gewesen wären oder so in der Art nicht hätten passieren oder eintreten können. Ich fühle dennoch, dass ich noch ein Kind möchte und auch bekommen werde. Der Wunsch danach ist da, mein Mann und ich sind beide dafür offen. Dennoch fühlt sich JETZT nicht passend dafür an. Und das ist interessant für mich, denn keines meiner Kinder kam nach irgendeinem Plan. Dennoch, so schön es ist, die Dinge einfach laufen zu lassen, so schön ist es auch, sich für eine Weile des Lebens bewußt auf andere Dinge zu konzentrieren und eine Phase des Lebens für Anderes zu nutzen, bevor man sich wieder – ganz bewußt – für erneuten Nachwuchs öffnet.

Hier noch ein Artikel, den mir meine Hebamme weitergeleitet hatte und der mir sehr geholfen hat (einfach Link klicken).

Ich sende Dir ganz viel Liebe, Vertrauen in Dich und Heilung – besonders dann, wenn Du gerade die Diagnose „Missed Abortion“ erhalten hast und/oder selbst ein Sternenkind geboren hast. Du bist nicht allein.