Für sich selbst sorgen während der Quarantäne-Zeit

Für sich selbst sorgen während der Quarantäne-Zeit

März 27, 2020 0 Von KatjaSchmid

Die Zeit der Ausgangsbeschränkungen, Restriktionen, Schul- und Geschäftsschließungen erfordert von allen sehr viel Stärke und Durchhaltevermögen. Meine Familie und ich sehen uns aktuell nicht nur damit konfrontiert, dass alle unsere Kinder den ganzen Tag zuhause sind und beschäftigt sein wollen (und zusätzlich auch Dinge für die Schule machen müssen), sondern auch damit, dass unsere gesamte Existenzgrundlage von einem auf den anderen Tag plötzlich weg ist und noch nicht klar ist, wie wir in den nächsten Wochen und eventuell Monaten unseren Lebensunterhalt bestreiten werden, ganz zu schweigen davon, ob die Bar meines Mannes diese Krise überleben wird.

Dazu kommen noch erschreckende Nachrichten aus aller Welt und ein ganzer Sturm von Gefühlen, mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen und die wir nicht nur selbst durchleben, sondern auch unseren Kindern erklären müssen, sowie ihnen zur Seite stehen müssen, wenn sie selbst mit für sie neuen Gefühlen und Gedanken konfrontiert sind. Auch für diese ist das Ganze nicht leicht, denn plötzlich MÜSSEN sie jeden Tag zuhause mit ihren Eltern und Geschwistern verbringen, dürfen nicht mehr in Schule und Kindergarten, dürfen nicht mehr auf den Spielplatz, dürfen Freunde und Großeltern nicht mehr besuchen, und wissen gar nicht, was da überhaupt in der Welt los ist. Dazu kommen manche Gefühle, die sie vielleicht bisher so noch gar nicht kannten…

Es gilt also einiges zu managen: Einen neuen Tagesablauf, die innere Gefühlswelt, eine völlig veränderte Realität, Geldmangel, Konflikte…

Zudem, und das halte ich persönlich für nicht ganz unwichtig, stellt die Art von Krise, in der wir uns befinden, eine kollektive Traumatisierung dar und wird langfristige – vor allem auch psychische – Auswirkungen haben, die im Moment noch gar nicht abschätzbar sind. Für Kinder und Erwachsene.

Für mich persönlich gibt es aber nicht nur die Krise, sondern auch die Chance. Denn alles, was so in der Welt passiert, hat auch immer einen Grund, warum es gerade jetzt und gerade so passiert. Davon bin ich überzeugt und ich glaube auch daran, dass uns das Universum nur solche Herausforderungen präsentiert, die wir auch in der Lage sind zu meistern.

Um für mich selbst gut zu sorgen, habe ich mir einige Richtlinien erstellt, an die ich mich – so gut es gerade geht – auch halte. Vielleicht sind sie auch für Dich hilfreich in dieser für alle sehr fordernden Zeit:

  1. Verbringe soviel Zeit wie möglich in der Natur. Für mich ist die Natur eine starke Kraft-Ressource und ich genieße die Zeit draußen sehr. Gerade jetzt, wo wir mit staatlichen Ausgangsbeschränkungen leben müssen, hat sich unser Gartengrundstück, das sich seit einigen Jahrzehnten im Besitz der Familie meines Mannes befindet, als großer Schatz erwiesen. Das Haus, in dem wir momentan leben, hat zwar einen kleinen Garten, aber dennoch nicht sehr viel Platz zum freien bewegen und so fahren wir so oft es uns möglich ist raus auf dieses kleine Fleckchen Land, wo wir auftanken, Gartenarbeit und Sport machen, Tiere beobachten und einfach sind. Früher war ich dahingehend oft etwas zurückhaltend und wir waren nur spärlich dort. Im Moment aber ist dieser Ort für mich ein wahrer Segen und ich habe ihn sehr in mein Herz geschlossen. Jeder Moment in der Natur kann dabei helfen, innere Klarheit zu erlangen. Für die, die so einen „Luxus“ nicht haben, kann auch der eigene Garten/-anteil oder ein Spaziergang in einem Park die Verbindung zur Natur schaffen. Es ist nicht verboten, auch raus aufs Land zu fahren, und in den Wald zu gehen. Wer die Möglichkeit dazu hat – nutze sie!
  2. Sorge dafür, dass Du genug schläfst. Schlaf empfinde ich als sehr wichtig, denn im Schlaf verarbeiten wir die Dinge, die uns täglich begegnen und vor allem auch die Dinge, die uns innerlich beschäftigen (Gefühle, Konflikte, etc.). Wenn wir zuwenig schlafen, fühlen wir uns energielos, unruhig, etc. Wichtig ist es, abends nicht mit Angst und negativen Bildern im Kopf zu Bett zu gehen, sondern möglichst mit angenehmen und positiven Gedanken, Visionen und Gefühlen.
  3. Behalte Deine Ziele/Visionen im Auge und tu möglichst täglich etwas dafür. Es ist leicht, in Krisenzeiten im Augenblick zu verharren und nicht mehr daran zu denken, dass eine Krise auch irgendwann vorbei sein wird. Mir persönlich gibt der Fokus auf meine Ziele und Dinge, die ich tun oder erreichen möchte, Kraft, Hoffnung und neue Energie. Und auch wenn aktuell der Tag sehr ausgefüllt ist, versuche ich mir so oft wie möglich Zeit zu nehmen, um an meinen Zielen zu arbeiten. Manchmal sind das am Tag nur ein paar Minuten, manchmal eine ganze Stunde.
  4. Eigentlich sollte dieser Punkt schon weiter oben stehen: Stelle Deine Familie und sonstige sozialen Kontakte vorn an. Gerade in Krisenzeiten fühlen wir uns oft haltlos. Die Familie gibt uns Halt und Sicherheit. Freunde geben uns das Gefühl, nicht allein zu sein. In Zeiten, wo der persönliche, direkte Kontakt zu anderen fehlt, ist es umso wichtiger, diesen auf anderen Wegen aufrecht zu erhalten. Telefon, Internet oder auch mal wieder ein Brief können schöne Möglichkeiten sein, sich auszutauschen und trotz Distanz Zeit miteinander zu verbringen. Vielleicht ist auch eine Online-Community für Dich interessant.
  5. Pflege Deinen persönlichen Glauben. Auch wenn ich mich keiner Religion zugehörig fühle, ist mein Glaube und meine spirituelle Verbundenheit für mich gerade in Krisenzeiten etwas, was mich stärkt und mir Halt und Vertrauen gibt. Für mich gehört dazu zum Beispiel tägliches Beten, Dankbarkeit spüren und immer wieder ins Vertrauen gehen.
  6. Geh‘ nicht so hart mit Dir selbst ins Gericht. Diese Zeit gerade ist für alle Menschen eine Herausforderung und bringt uns alle mit ungewohnten Gedanken, Gefühlen und vielleicht auch Handlungen in Verbindung. Keiner von uns war jemals schon in so einer Situation und daher wissen wir oft nicht, wie wir mit neuen und ungewohnten Gedanken und Gefühlen umgehen sollen. Niemand ist gerade perfekt: Keine Mutter, keine Ehefrau/Partnerin, kein Mensch. Und jetzt gerade ist auch nicht die Zeit, um alles richtig machen zu wollen. Sei nachsichtig mit Deinen Mitmenschen – und vor allem Dir selbst.
  7. Und zuletzt: Werte Deine Gefühle nicht ab. Denn gerade unsere Gefühle sind wichtige Wegweiser und Impulsgeber. Und gerade in dieser Zeit hilft es uns, in Kontakt mit unseren Gefühlen zu kommen, sie wahrzunehmen, zum Ausdruck zu bringen und von ihnen zu lernen. Vielleicht hilft es Dir, Deine Gefühle in einem Tagebuch zu notieren, mit Freunden oder Partner darüber zu sprechen, oder sie anderweitig zum Ausdruck zu bringen (z.B. auf kreative Art: malen, tanzen, etc.). Deine Gefühle haben einen Wert und dürfen alle gefühlt werden.

Ich hoffe, meine kleine „Liste“ hilft Dir ein wenig weiter.

Wie gehst Du mit der momentan Situation um? Hast Du noch Tipps oder Ideen, die ich hier nicht genannt habe? Teile sie gern in den Kommentaren.

Von Herzen alles Liebe,